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Cambridge University: Der Markt für Kryptowährungen wächst um 300 Prozent

Seit seiner Einführung im Jahr 2009 hat die erste Kryptowährung Bitcoin extrem an Wert gewonnen und ist zu einem beliebten Spekulationsobjekt geworden. Allein im vergangenen Jahr hat sich der Wert des Cybergeldes etwa verzehnfacht. Dieser Erfolg lockt natürlich auch Nachahmer und so haben sich neben dem Bitcoin weitere Kryptowährungen wie Ethereum, Ripple oder Litecoin etabliert. Doch es profitieren nicht nur die Anleger, sondern auch die Anbieter von Dienstleistungen rund um das Geschäft mit den digitalen Zahlungsmitteln. Hier hat sich mittlerweile eine ganze Industrie mit unterschiedlichen Akteuren entwickelt. Diese wurde nun in der aktuellen „GLOBAL CRYPTOCURRENCY BENCHMARKING STUDY“ der Cambridge University erstmals wissenschaftlich untersucht.

Für das Verständnis der Studie ist es wichtig, zu wissen, welche Dienstleister sich auf dem Markt der Kryptowährungen bewegen. Die Forscher nennen an dieser Stelle Marktplätze (Exchanges), auf denen zum einen zwischen den kryptografischen aber auch in nationale Währungen getauscht werden kann. Der zweite Akteur sind Anbieter von „Wallets“, einer Art Geldbörse für die Aufbewahrung der Cyberwährungen. Dabei gibt es sowohl virtuelle Wallets als auch physische in Form eines verschlüsselten Speichermediums. Der dritte Sektor sind die Zahlungsdienstleister (Payment). Sie sorgen dafür, dass mit Bitcoin und Co. auch Zahlungen vorgenommen werden können. Das kann entweder im Nominalwert einer nationalen Währung geschehen oder direkt innerhalb der Kryptowährung. Zu guter Letzt gibt es noch die Schürfer (Mining). Sie „produzieren“ mittels gewaltiger Rechenleistung neue Bitcoins. Während es sich in der Anfangszeit des Bitcoins oft noch um Privatpersonen gehandelt hat, stecken heute Unternehmen hinter diesen Operationen. Der Grund ist einfach: Die Rechenleistung, die für das Bitcoinschürfen mittlerweile gebraucht wird, kann von Einzelnen gar nicht mehr wirtschaftlich erbracht werden.

Marktkapitalisierung verdreifacht sich innerhalb eines Jahres

„Das Thema Kryptowährungen ist durch die Aufmerksamkeit, die insbesondere der Bitcoin in den Medien erfährt, in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gelangt. Auch das Bild, das viele Menschen von den neuen Währungen haben ändert sich langsam vom Zahlungsmittel für dubiose Geschäfte im Darknet hin zu einem ernstzunehmenden Anlageobjekt“, erklärt Klaus Schulz, COO des Online-Brokers LYNX Broker. Diese Einschätzung bestätigt auch die Studie: Von Februar 2016 bis März 2017 hat sich die Marktkapitalisierung der Kryptowährungen mehr als verdreifacht. Den Großteil des Volumens erbringt immer noch der Bitcoin, allerdings holen auch die anderen Währungen wie Ethereum, DASH, monero und Litecoin immer weiter auf. Konnte der Bitcoin im März 2015 noch rund 86 Prozent der Marktanteile auf sich vereinen, waren es zwei Jahre später nur noch 72 Prozent. Im gleichen Zeitraum konnte Ethereum von Null auf 16 Prozent wachsen.

Derzeit existieren laut Studie zwischen 2,9 und 5,8 Millionen Nutzer von Wallets. „Das ist natürlich eine große Spannbreite, allerdings ist es schwierig genauere Zahlen zu schätzen, da viele Nutzer verschiedene Wallets für unterschiedliche Währungen besitzen. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, dass mehrere Nutzer ihre Guthaben gemeinsam in einer großen Wallet aufbewahren, was das Bild weiter verzerrt“, erklärt Schulz. Als gesichert kann jedoch gelten, dass die Zahl der Nutzer in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Die Studie nennt für 2013 eine Spanne zwischen 0,3 und 1,3 Millionen Besitzer von Kryptowährungen. Parallel zu den Nutzerzahlen ist auch die Zahl der Beschäftigten in der Kryptowährungsindustrie gewachsen. Die Forscher schätzen, dass mittlerweile rund 2000 Menschen Vollzeit in der Branche arbeiten, auch wenn nicht alle Mining-Unternehmen Zahlen preisgegeben haben.

Interesse ungebrochen – Hype fördert Blasenbildung

„Man kann davon ausgehen, dass der Markt für Kryptowährungen weiterwachsen wird und sich weitere Anlageprodukte rund um Bitcoin, Ethereum und Co. entwickeln werden. Erst kürzlich kündigte die Chicago Mercantile Exchange Group (CME) einen Future auf den Bitcoin an. Trotzdem muss man sie auch kritisch sehen und die Risiken aufzeigen. Aktuell lässt sich die Tendenz beobachten, dass der Bitcoin sich von seinem ursprünglichen Zweck als notenbankunabhängiges Zahlungsmittel immer mehr in Richtung eines Spekulationsobjekts bewegt – und wie bei jedem anderen gehypten Anlageprodukt besteht auch hier die Gefahr einer Blasenbildung“, warnt Schulz. Hinzu kommt, dass sich der Markt immer weiter aufspaltet. Rund 1.200 Kryptowährungen gibt es bereits und das dürfte noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein. Trotzdem: Das Interesse ist ungebrochen und die Industrie wächst immer weiter. Ob es sich beim digitalen Geld jedoch um das Zahlungsmittel der Zukunft oder um einen kurzfristigen Hype handelt, lässt sich aktuell noch nicht mit Bestimmtheit sagen.

Weiterführende Links:

Coinmarketcap

 

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